
In den Gesängen 13 bis 16 der Odyssee wird deutlich, wie patriarchale Herrschaft damals funktioniert hat. Besonders gut sieht man das an der Situation von Penelope und den Freiern und daran, wie Telemach über sie spricht.
Eine wichtige Stelle ist die Aussage von Telemach: „…aber meine Mutter lässt sich kaum noch blicken, und ich könnte sie nicht vor den Freiern schützen“ (S. 122). Diese Aussage zeigt klar, dass Penelope nicht frei handeln kann. Obwohl sie die Hausherrin ist, wird sie von den Freiern unter Druck gesetzt und kann sich kaum zeigen. Die Männer bestimmen, was passiert und sie ist ihnen ausgeliefert.
Auch die Freier selbst zeigen deutlich, wie die Machtverhältnisse sind. Sie leben einfach im Haus, nehmen sich, was sie wollen, und respektieren weder Penelope noch das Haus von Odysseus. Besonders extrem wird das, als sie sogar planen, Telemach zu töten. Das zeigt, dass sie sich so mächtig fühlen, dass sie über Leben und Tod entscheiden.
Als Penelope davon erfährt, versucht sie Alkinoos dagegen zu überzeugen (S. 129). Hier sieht man zwar, dass sie sich wehrt und ihre Meinung sagt, aber trotzdem hat sie keine wirkliche Kontrolle. Sie kann die Männer nicht stoppen. Ihre Worte haben weniger Gewicht als die Entscheidungen der Freier.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Rolle von Telemach. Von ihm wird erwartet, dass er die Situation löst und Verantwortung übernimmt. Das zeigt, dass in dieser Gesellschaft der Mann die Aufgabe hat, die Ordnung wiederherzustellen. Frauen wie Penelope haben diese Möglichkeit nicht. Sie müssen warten bis ein Mann eingreift.
Auch Athene unterstützt genau dieses Muster. Sie hilft Telemach und Odysseus, aber nicht Penelope direkt. Dadurch wird deutlich, dass auch die Götter vor allem die Männer unterstützen und ihnen die wichtige Rolle beim Handeln geben.
Insgesamt zeigen diese Beispiele, dass Männer die Macht haben und Entscheidungen treffen, während Frauen eingeschränkt sind. Penelope ist zwar klug und stark, aber sie kann sich nicht wirklich gegen die Männer durchsetzen.
Aus heutiger Sicht finde ich diese Form von Herrschaft unfair, weil Frauen viel weniger Einfluss haben als Männer. Sie können oft nicht selbst entscheiden und sind von anderen abhängig. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass solche Situationen nicht nur früher vorkamen. Auch heute gibt es noch Fälle, in denen Frauen weniger ernst genommen werden oder weniger Rechte haben.
Die Odyssee zeigt also nicht nur, wie es früher war, sondern auch, dass sich manche Dinge nur langsam verändern. Penelope wirkt zwar stark und klug, aber sie kann ihre Situation nicht wirklich selbst bestimmen.